In unserer leistungsfähigen Gesellschaft ist das Thema Depression immer noch ein Tabuthema. Dennoch ist es eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Depressionen können jeden treffen. Ich dachte immer es trifft mich nie. Aber falsch gedacht. Eines Tages waren diese dunklen Wolken da. Von diesem Tag an, waren sie mein ständiger Begleiter. Den ganzen Tag über befand ich mich in einem Karussell voller Gedanken. Gefühle und Emotionen fahren Achterbahn. Ich lernte alle Emotionen in kurzer Zeit kennen. Wut /Ärger, Freude, Trauer Angst waren einige davon. Ich stellte mir die Frage, lebe ich oder funktioniere ich nur noch?? Ich wollte immer allen gerecht werden. Aber das wurde ich nicht mehr. Man muss Leistung bringen, sonst steht man irgendwann ohne Job da. Ohne Job heute dazu stehen, kann sich fast niemand erlauben. Keine Schwäche zeigen, denn für die geleistet Arbeit bekommt man sein Gehalt. Ich arbeite in meinem Traumjob als Pflegefachkraft. Der Pflegekräftemangel führt zu Überlastung durch Mehrarbeit, Überstunden etc. Nur einige Faktoren zu nennen. Aber ich registrierte es nicht, dass mein Körper gerade dabei war die Notbremse zu ziehen. Es fing damit an, dass ich nur noch schlafen wollte. Keinen Elan mehr hatte und das Wort Motivation wurde zum Fremdwort. Du hast Urlaub, dann darfst du das auch. Okay ich blieb dann liegen. Zuerst dachte ich, dass ich nur einen schlechten Tag habe, aber aus diesem einen Tag wurden mehrere Tage. Die Tage beginnen damit, dass man sich die Frage stellt, steh ich überhaupt auf. 24/7 dreht sich das Gedankenkarusell. Dazu kam das ständige Grübeln. Mein Selbstwertgefühl ging verloren, die eigenen Werte und die Ziele verschwanden von heute auf morgen. Wer bin ich und was macht mich aus. All dies wusste ich nicht mehr. Alles schien aussichtslos zu sein, denn das Negative überwiegt das Positive. Das Gedankenkarusell und das Grübeln waren 24/7 mein Begleiter. Ich hatte das Gefühl, ich werde langsam irre. Warum fange ich langsam an die Wohnung zu kontrollieren, ob alles geschlossen ist, die Fenster zu sind, die Wohnungstür fest verschlossen ist. War das noch normal? Einfach nur schlafen legen, wenn du wach wirst dann wirst du dich besser fühlen. Leider ein totaler Irrtum. Die Gedanken kreisen 24/7 um die Arbeit. Nein du kannst nicht krank werden, du musst Geld verdienen. Und plötzlich ist der Zusammenbruch da. Fast alle Emotionen schließen sich zusammen und bereiten eine Panikattacke vor. Ich hatte das Gefühl, jemand dreht mir die Luft zum Atmen ab. Ich hatte Angst und Panik und die Tränen fließen nur noch. Meine Gedanken waren nur noch.:” Ich schaffe das alles nicht mehr. Ich kann das alles nicht mehr.” Der Weg zum Psychologen in die Institutsambulanz in Lüneburg fielmir sehr schwer, doch diesen Weg einzuschlagen, ist miran diesem Tag empfohlen worden. Allein schon der Gedanke Psychiatrie schreckt ab. Das Bild, was man von der Psychiatrie hat, istnicht das Schönste. Und dann kam die Diagnose starke depressive Episode (Burn-out) Es folgte die 4- wöchige Krankschreibung, der Arzt gab mir gleichzeitig die Einweisung für die psychiatrische Klinik in Lüneburg mit. Da war er der Schock Moment. Ich hielt eine Einweisung in der Hand, auf der “PSYCHIATRIE” stand nicht Innere Medizin z.B. A-5 Wochen Wartezeit, bis ein Platz auf der E14 der Depression Station frei war. Dies war eine lange Zeit, aber sollte es schlimmer werden, konnte man jederzeit anrufen. Ich rief nach 14 Tagen jeden Dienstag in Lüneburg an. Dienstags war da immer große Visite. In der Zwischenzeit versuchte ich mich zu beschäftigen, um auf andere Gedanken zu kommen. Ich fing an, Saxofon zu lernen, wollte ich schon immer machen. Ich bin nicht der Mensch, der sehr geduldig ist. Ich musste es lernen mit Geduld haben zu leben. Dann kam der Tag, als die Klinik anrief, um mir mitzuteilen, dass ich in 5 Tagen stationär aufgenommen werde. Und schon wieder kamen Zweifel in mirhoch. Istes das Richtige, was du gerade machst? Ja es wargenau die richtige Entscheidung. Es warein komisches Gefühl mit gepacktem Koffer auf dem Gelände des PKLs anzukommen. Eine komische Atmosphäre, als ich mich im Hauptgebäude angemeldet hatte. Was erwartet mich hier? Als ich angemeldet war, nahm ich meinen Koffer und ging in die Richtung Haus 19. Als ich das Haus betrat, hatte ich das Gefühl ich bin auf Klassenfahrt. Irgendwie musste ich an Jugendherberge denken. Die Gebäude haben einen Charme des Altbaus. Die ersten 4 Tage waren da, um sich einzugewöhnen und anzukommen. Dann wurde der Therapieplan voll. D-MKT (Metakognitives Training für Depressionen), Depressionsbewältigung, TEK (Training emotionaler Kompetenzen) Musiktherapie ‚Krafttraining, Ergotherapie ‚Achtsamkeitstraining‘ Verhaltensaktivierung und für die Entspannung progressive Muskelentspannung. Wer mag nutzte abends die Akupunktur. Ein typischer Tag sah wie folgtaus. Um 6.30 Weckdienst durch die Pflegekräfte. Dann Frühstück, danach fingen die Gruppentherapien an. Mit einem Ordner unter dem Arm ging es in den Gruppenraum, meist gingen die Gruppen 60 min. Hausaufgaben gab es selbstverständlich auch. Dann gabs eine Mittagspause. Nachmittag ging es weiter. Den Abschluss machte abends vor dem Abendessen, die tägliche Abendrunde. Diese Runde diente für Jeden zur Reflektion seines Tages. In unserer Freien Zeit, spielten wir Wikinger Schach, Karten. Viele malten Mandalas für die Konzentration oder puzzelten. Die täglichen Abende am Kickertisch waren mein Highlight. Aromatherapie war ein großer Teil der Therapie dort. Es wurde viel, mit Aromen gearbeitet. Man konnte sich Riechstifte mit verschieden Aromen anfertigen lassen. Körperöle mit Aroma nutzen. Aber auch ein Bad mit Lavendel nehmen half. Das Erste Wochenende im PKL wurde dort verbracht, danach musste manvon Samstag auf Sonntag füreine Nacht nach Hause. Dies war die sogenannte Belastungsprobe, um den Bezug nicht zu verlieren. Für mich war es komisch, nach 2 Wochen, das erste Mal wieder nach Hause zu kommen. Es fühlte sich komisch an, aber auch schön. Sonntags mussten wirbis 17:30h wieder zurück sein. Zu der Zeit fühlte es sich gut an, wieder zurück unter der Käseglocke zu sein. Heute weiß ich, dass diese 6 Wochen in Lüneburg, oder wir es nannten (unserer Käseglocke) war für mich eine wertvolle Zeit. Ich bereue diese Zeit nicht. Ich bin dankbar über diese Zeit, denn ich habe einiges mitgenommen. Der Leitspruch der Station Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel anders setzen *Aristoteles